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Im Zeichen des Vollmonds

Details
VerfasserWolfgang Sautter
CoverillustrationAlain Leclerc
InnenillustrationAlain Leclerc
VerlegerHamburg : Abenteuer-Medienverlag
Erscheinungsjahr1995
Auflage1 [1995]
PreisDM 7.80 ; S 70.00 ; sFr 7.80
EinbandSoftcover
Größe20.80 x 14.80 cm
Sprachedeutsch
Abschnitte
94
Einbandtext
[Einleitung]

Ein haarsträubenbes Soloabenteuer für einen Werwolf

Das fable Licht des Vollmonds dringt nur als matter Schein durch das Blätterdach des dichten Waldes. Kühler Nebel zieht vom nahegelegenen Fluß hinauf und läßt dich kaum mehr die Hand vor Augen erkennen. Gespenstische Schatten tauchen lautlos aus dem Nichts auf, ehe sie nur Momente später wieder mit der düsteren Silhouette einiger knorriger Bäume verschmelzen. Weitab schlägt eine Turmuhr Mitternacht.

Endlich erreichst du eine kleine Lichtung, die sich ein wenig vom unheimlichen Grau des Waldes abhebt. Zögernd bleibst du stehen. Dich fröstelt. Ob vor Furcht oder vor Kälte – du weißt es nicht. Kalter Schweiß glänzt auf deiner Stirn. Bei jeder deiner selbstmörderischen Unternehmungen hast du sie von neuem in dir gespürt, diese nagende Angst, die alle Gliedmaßen zu lähmen scheint. Doch vielleicht stehst du gerade deswegen in dem Ruf, der erfolgreichste Werwolfsjäger von ganz Botiova zu sein, weil du dich nie zu unüberlegtem Handeln hast hinreißen lassen.

Plötzlich funkeln dich zwei rotglühende Augen aus der Düsternis an, als wollten sie dich unter ihren Willen zwingen. Hastig ziehst du deine Waffe, aber es ist bereits zu spät. Die Wucht deines Angreifers wirft dich zu Boden. Das Gewicht des zottigen Ungeheuers drückt dich ins feuchte Gras, ohne daß du dich dagegen wehren könntest. Mit seinen scharfen Reißzähnen zerfetzt der dämonische Werwolf dein Lederwams, ehe er seine Fänge tief in deine Schulter bohrt, um dich zu zerfleischen. Wie blind tastest du mit deiner freien Hand nach dem langen Silberdolch, der neben dir zu Boden gefallen ist. Nach einer Zeit,die dir wie eine Ewigkeit erscheint, bekommen deine klammen Finger etwas hartes zu fassen. Reflexartig packst du die Waffe und stößt zu. Blut spritzt aus der Kehle des Untiers; tödlich getroffen bricht die Bestie über dir zusammen. Mühsam rappelst du dich vom Boden auf. Einige letzte Zuckungen durchströmen den gewaltigen Körper des Ungeheuers, dann ist der Lebensfunke in ihm endgültig erloschen. Zitternd reißt du einen langen Stoffetzen aus deinem Hemd, um dir notdürftig die linke Schulter zu verbinden, als du mit weit aufgerissenen Augen beobachten mußt, wie dichtes schwarzes Haar aus deinem Handrücken sprießt; doch statt eines Entsetzensschreis entringt sich nur noch ein heiseres Knurren deiner ausgedörrten Kehle.

Auch du bist dem unheilvollen Fluch der Lykanthropie zum Opfer gefallen.
Anmerkung
Erschienen als Nautilus-Pocket-Abenteuer in: Nautilus: Abenteuer & Phantastik. März/April 1995. Nummer 5. 3. Jahrgang

ISSN 0946-3534